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THEMA: Erster Mai
ORT: Berlin
ZEIT: 1. Mai 2001
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 4157 \

1. Mai 2001 in Berlin

Wie heutzutage Krawall verhindert wird

Innensenator Werthebach verbietet zum ersten Mal die seit 1988 alljährlich stattfindende "revolutionäre 1.Mai-Demonstration". 9000 Polizisten sollen dies durchsetzen. Die NPD kann dagegen am Vormittag relativ ungestört und geschützt von 2000 Polizisten durch Hohenschönhausen marschieren.
Unter dem Motto "Freiheit stirbt mit Sicherheit" demonstrieren am Nachmittag ca. 5000 Menschen in Kreuzberg gegen das Verbot der autonomen Demonstration. Gegen 18:00 will die angereiste Polizei unbedingt den Heinrichplatz räumen und fordert die Menschen auf, zum Mariannenplatz abzuziehen. Trotz der klaren Absprache, auf keinen Fall gegen das dort stattfindene Stadtteilfest vorzugehen, schafft sich die Einsatzleitung hiermit selbst eine Begründung für die anschließende Eskalation: Mehrere Hundertschaften mischen das Stadtteilfest auf, angeblich um gegen dorthin geflüchtete "Straftäter" vorzugehen. Was nun geschah dokumentieren unsere Bilder in Ausschnitten. Die Kämpfe verlagern sich vom Mariannenplatz bis nach Neukölln und dauerten bis nach Mitternacht. Bilanz des diesjährigen 1.Mai: Die heftigste Randale seit 10 Jahren, ca. 600 Festnahmen, 40 Haftbefehle, 166 verletzte Polizeikräfte, eine unbekannte Anzahl verletzter DemonstrantInnen und FestbesucherInnen. Und ein Senator Werthebach, der unverdrossen seinen Eskalationskurs als Konzept `langfristiger Befriedung der Hauptstadt´ propagiert.

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Fotos: -cso-/Umbruch-Bildarchiv
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Kommentar: Werthebach folgt Landowsky auf den heißen Stuhl. Wann tritt er zurück?

In dieser Stadt gibt es seit zwei Jahrzehnten, also länger als die revolutionäre 1.Mai-Tradition, ein bemerkensertes Ritual: Politiker setzen sich auf den heißen Stuhl zur "Befriedung jeder linken Szene und Subkultur". Sie verfassen dann Einsatzkonzepte ohne Ende und manch einer wird darüber vom Stuhl gekippt und seinen Posten los. Das war zu 1981er-Häuserkampfzeiten unter Innensenator Lummer oder zur 1990er-MainzerStraße unter Momper und Paetzoldt nicht anders als heute.
Das "Null-Toleranz-Konzept" von Innensenator Werthebach, Staatssekretär Jakesch und Polizeipräsident Saberschinsky sollte diesmal nach der Masche funktionieren: Am 1.Mai rechts großzügig demonstrieren lassen, jedoch links verbieten und verdreschen. Danach dann alles der Öffentlichkeit verkaufen als gelungene Befriedung der Hauptstadt. - Dieses Konzept ist nur noch Makulatur.
Dabei haben die vor Ort Betroffenen, die KreuzbergerInnen und ihre FreundInnen aus nah und fern, überaus gelassen reagiert auf die seit langem größte Invasion grün-uniformierter Krawallmacher aus allen Teilen der Republik. Sie haben erlebt, wie die grüne Horde das Familienfest auf dem Mariannenplatz provozierte und angriff. Sie haben wiedermal erlebt, wie die 23. Einsatz-Hundertschaft der Berliner Polizei ihrem Ruf als erste Berliner Knüppelgarde alle Ehre machte. Sie haben sich gewundert, daß neuerdings unabhängige Demonstrationsbeobachter wie der Politologie-Professor Narr verhaftet werden. Und sie haben den Streit vor den Gerichten erleben müssen, die serienweise rechte Aufmärsche überall im Land bis in die höchsten Instanzen genehmigten. Nun warten alle gespannt, wie lange der diesjährige Einsatzverantwortliche Werthebach sein Amt behalten wird. Es sind schon viele Senatoren gekommen und wieder gegangen.
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