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THEMA: Tod in der Polizeizelle
Oury Jalloh
ORT: Dessau
ZEIT: 7. Januar 2015
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv/ 3423 \

Oury Jalloh Demonstration 2015

Zum 10. Todestag von Oury Jalloh versammelten sich rund 1000 Menschen aus allen Bundesländern zur Gedenk- und Trauerkundgebung in Dessau (Video). Eine lebhafte und lautstarke Demonstration führte vom Hauptbahnhof zum Polizeirevier in der Wolfgangstraße, in dem Oury Jalloh am 7. Januar 2005 einen qualvollen Tod starb.

Bis heute hält die "rechtsstaatliche" Vertuschung des Verbrechens an, die juristische Straflosigkeit für die Täter und die ignorante Verweigerung von Aufklärung, Verantwortung und Gerechtigkeit gegenüber der Familie Oury Jallohs. Zuletzt hatte am 4. September 2014 auch die höchstrichterliche Instanz des BGH das Urteil des Magdeburger Landgerichts und damit dessen offensichtliche Rechtsbeugungen bestätigt. Redner der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh stellten dieses kollektive Versagen des deutschen Rechtsstaates heraus und verwiesen auf die offensichtlichen Beweise, die gegen die zwanghafte Hypothese stehen, dass Oury Jalloh sich selbst angezündet haben soll:

  • Das nachträglich präsentierte, eingeschmolzene Feuerzeug trägt keine Spuren vom Tatort (Matratzenbestandteile, Bekleidung oder DNA-Spuren Oury Jallohs), obwohl es vorgeblich unter dem Rücken des Verbrannten gelegen haben soll. Unabhängig von der Frage, wie es dort hingekommen sein soll, ist damit zweifelsfrei bewiesen, dass dieses Feuerzeug niemals zum Brandzeitpunkt in der Zelle gewesen sein kann. Es ist ein eindeutig manipuliertes Beweismittel. Es gab kein Feuerzeug in der Zelle, mit dem sich Oury Jalloh hätte anzünden können!
  • Mit einem spendenfinanzierten Brandgutachten hatte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh bereits im November 2013 nachgewiesen, dass die massiven Verkohlungen des Leichnams sowie die komplette Verbrennung der feuerfesten Matratze nicht durch die Brandeigenschaften dieser Matratze allein erklärbar sind - hierfür ist die Verwendung eines Brandbeschleunigers unabdingbar. (siehe Video der Pressekonferenz vom 12. November 2013 sowie das Brandgutachten )
  • Die Abwesenheit von Kohlenmonoxid im Herzblut des Toten spricht für einen schlagartigen, reflexiven Tod Oury Jallohs durch einen Hitzeschock im Rahmen einer explosiven Brandentstehung.

    Vor dem Hintergrund dieser eindeutigen Indizien gab es besonders vor der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau und vor dem Polizeirevier in der Wolfgangstrasse lautstarke Proteste. Redner der Initiative sprachen der Staatsanwaltschaft ihre Funktion als öffentliche Anklagebehörde ab und warfen ihr im Fall Oury Jalloh Strafvereitelung, Beihilfe zur Rechtsbeugung und offenen Verfassungsbruch vor. Dass die Staatsanwaltanschaft darüber hinaus juristisch in konstruierten Gerichtsverfahren die Kriminalisierung von Aktivisten der Initiative vorantreibe, könne man nur als staatliche Willkür werten.

    Vor dem Polizeirevier in der Wolfgangstrasse, das auch dieses Jahr wieder für den Zeitraum der Kundgebung geschlossen war, legten Demoteilnehmer*innen neben Transparenten, Kerzen, Blumen und Bildern von Toten rassistischer Polizeigewalt auch einen Sarg, einen Feuerlöscher, Handfesseln und eine Vielzahl leerer Feuerzeuge ab. Vertreter der Black Community wiesen auf die Kontinuität der Deutungshoheit einer Weißen Vormachtstellung durch alle Instanzen staatlicher Macht hin: Schwarzen Menschen würden durchgängig Rechte verweigert, sie würden terrorisiert und kriminalisiert, mit tödlicher Gewalt überzogen und danach selbst als "Täter" entmenschlicht (Video). Eine Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem rassistischen Konsens von Staat und Gesellschaft werde somit kontinuierlich unterdrückt und strafrechtliche wie moralische Verantwortung konsequent vermieden.
    Die Black Community hat auf die Notwendigkeit des weiteren Widerstandes gegen den tödlichen Terror staatlicher rassistischer Gewalt hingewiesen, um weitere Tötungen Schwarzer Menschen in Deutschland in Zukunft effektiv verhindern zu können. Dabei gelte es auch, die bisher ausnahmslose Praxis juristischer Straffreiheit gegenüber den Tätern zu überwinden.

    Die Aufklärung der Wahrheit im Fall Oury Jalloh wird nicht durch die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau erfolgen, die sich bereits seit Februar 2013 mit einem sogenannten "Todesermittlungsverfahren" quält - bisher ohne zielführende Untersuchungen. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh lässt hierzu aktuell weitere brandmorphologische und toxikologische Untersuchungen durch Experten aus Großbritannien, den USA und Kanada auf Spendenbasis durchführen und benötigt hierzu auch weiterhin eine breite solidarische Unterstützung. (Spendenaufruf)
    OURY JALLOH - DAS WAR MORD!
    - Thomas Ndindah -



  • Fotos: Andrea Linss/Marco del Pra'
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