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Break the Silence!
Video von der Oury-Jalloh Demo am 1.4.06
10'48 Min. (12,2 Mb)

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THEMA: Tod in der Polizeizelle
Oury Jalloh
ORT: Dessau
ZEIT: 1. April 2006
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv/ 3423 \

Break the silence!

Demonstration in Dessau in Gedenken an Oury Jalloh

Unter dem Motto "Break the Silence" demonstrieren rund tausend Menschen am ersten April 2006 in Dessau, um Gerechtigkeit und Aufklärung im Falle des 22 jährigen Oury Jalloh zu fordern. Oury Jalloh verbrannte am 7. Januar 2005 am lebendigen Leibe in der Polizeizentrale in Dessau. Die Dessauer Staatsanwaltschaft hat zwar Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge und wegen fahrlässiger Tötung gegen zwei Polizisten erhoben, einen Termin für eine Gerichtsverhandlung steht jedoch noch aus und die Beamten sind weiterhin im Dienst.
Schon im Vorfeld der Demonstration kam es wiederholt zu Meinungsverschiedenheiten mit der Polizei. Insbesondere die Auflage der Polizei, man dürfe das Wort "Mord" im Verlauf der Kundgebung nicht benutzen war auf heftige Kritik gestoßen. Am Vorabend der Demonstration entschied aber das Oberverwaltungsgericht Magdeburg, dass diese Auflage eine unzulässige Beschneidung der Meinungsfreiheit darstelle. Zu der Demonstration haben die Selbstorganisationen der MigrantInnen und Flüchtlinge wie Plataforma-Berlin, The Voice-Forum, Carawane, Flüchtlingsinitiative Berlin-Brandenburg und antirassistische Gruppen wie die Antirassistische Initiative Berlin mobilisiert. (weiter im Text: siehe unten)
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Fotos: Marco del Pra'/Omer Fadl/Umbruch Bildarchiv
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Um 13 Uhr treffen sich hunderte Migranten und Flüchtlinge sowie Aktivisten antirassistischer Initiativen aus ganz Deutschland vor dem Hauptbahnhof der Stadt Dessau. Die Auftaktkundgebung verzögert sich aber aufgrund der langwierigen Kontrollen der Polizei. Dank des entschlossenen Eingreifens von Seiten der Demonstranten schließen sich am Ende auch die Aktivisten aus Hamburg und Bremen, die mit Bussen hergereist waren, der Kundgebung an, so dass endlich um ca. 15 Uhr die Demonstration Richtung Innenstadt beginnen kann.
Ein bunter Zug aus Menschen aus aller Welt bewegt sich durch das halbverlassene Zentrum der Stadt. Aus den Häusern schauen ab und zu verdutzte Einwohner auf die Demonstration, die sich kompakt und laut, begleitet von Samba- Trommeln durch die Strassen bewegt. "Dessau, Dessau immer wieder Dessau" klingt aus dem Lauti. In dieser Stadt ist es immer wieder zu rechtsextremen Übergriffen gegen Schwarzafrikaner gekommen. Traurige Höhepunkte: die Ermordung des Mosambikaners Alberto Adriano im Jahre 2000 und der Tod des aus Sierra Leone stammenden Oury Jalloh in Polizeigewahrsam.

Die Polizei hält sich inzwischen zurück, besteht aber darauf, die Demonstration kontinuierlich zu filmen. Die Organisatoren appellieren mehrmals für einen friedlichen Verlauf, nicht zuletzt um die Position der zahlreichen Asylbewerber nicht zu gefährden.
Den Höhepunkt erreicht die Demonstration mit der Kundgebung vor der Polizeistelle in der Oury Jalloh sein Leben verlor, an deren Eingang zahlreiche Transparente aufgestellt werden, welche die rassistische Polizeigewalt anprangern und ein Bleiberecht für alle Migranten und Flüchtlinge fordern. Die unterschiedlichen Redebeiträge unterstreichen den Willen der MigrantInnen und Flüchtlinge "nur mit ihrer Würde bewaffnet" gegen Diskriminierung und rassistische Polizeikontrollen friedlich zu demonstrieren und bestehen zugleich auf eine sofortige Eröffnung eines öffentlichen Prozesses im "Mordfall Oury Jalloh". Ebenfalls fordern sie die Anerkennung dessen Eltern, deren Nebenklage wegen Zweifel an ihrer Identität noch nicht akzeptiert wurde, dies obwohl Ourys Leichnam in Zusammenarbeit mit der Botschaft von Guinea zurück an die Eltern geschickt worden war.
Den längsten Beitrag liefert Cornelius Yufanyi von "The Voice". Er erzählt, wie sein Freund Oury ihm im Traum erschienen sei und ihn gebeten habe für sein Kind zu sorgen. Symbolisch aber repräsentiere dieses Kind all jene MigrantInnen und Flüchtlinge - mit oder ohne Papiere - die rassistischen Polizeikontrollen und tagtäglichen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Um diese Kinder solle man sich kümmern.
Die Demonstration löst sich am Ende friedlich vor dem Hauptbahnhof auf und als die Teilnehmer mit dem Zug nach Hause fahren, hört man viele Stimmen sagen: "Wir kommen wieder". Man kann ihnen Glauben schenken, denn sie werden wiederkommen, solange die Umstände des Todes von Oury Jalloh in der Polizeizelle in Dessau nicht vollkommen aufgeklärt sein werden.

Alvise del Pra'


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