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THEMA: Flüchtlingsbewegung
ORT: Hamburg
ZEIT: 02. November 2013
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 3423 \

"We are here to stay!"

Mehr als 10.000 Menschen demonstrierten am Samstag durch Hamburgs Innenstadt und forderten ein Aufenthaltsrecht für die Gruppe "Lampedusa in Hamburg". Es war der vorläufige Höhepunkt monatelanger Solidaritätsaktionen für die rund 300 westafrikanischen Flüchtlinge, die die Bombardements der Nato in Libyen vor drei Jahren überlebt haben und nach Lampedusa über das Mittelmeer geflüchtet waren. "Krieg, Flucht, Entrechtung - genug ist genug! Aufenthalt nach Paragraf 23" und "We are here to stay!" stand auf den Transparenten, die die Lampedusa-Flüchtlinge an der Spitze der Demo mitführten.

Von der Karawane Hamburg erhielten wir die Zusammenfassung ihres Redebeitrages auf der Demonstration, den wir untenstehend dokumentieren. Vielen Dank dafür und solidarische Grüße nach Hamburg! Summary of a speech by the The CARAVAN-Hamburg held on 2nd of November 2013. English version below.

"Wir sind wütend über die negative Haltung des Senats, wir sind wütend darüber, dass sich seit einem halben Jahr nichts an der Existenz bedrohenden Situation der libyschen Kriegsflüchtlinge "Lampedusa in Hamburg" geändert hat. Wir sind aber gleichzeitig sehr glücklich über die breite Solidarität in der Bevölkerung mit der Gruppe und über die Entschlossenheit eine gerechte Lösung zu erstreiten. Heute sind so viele Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft gekommen, um an der Seite der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" ein starkes Signal an die Politik zu senden, dass wir nicht mehr bereit sind, die Unmenschlichkeit hinzunehmen. Wir haben genug von der Heuchelei. Wir wollen jetzt in Hamburg einen Unterschied sehen und wir wollen die Anerkennung der Gruppe.
Wir sehen jede Woche die Nachrichten über das Sterben im Mittelmeer und wir hören die folgenlosen Reden über eine notwendige Veränderung der europäischen Flüchtlingspolitik. Doch die Betroffenen bleiben weiterhin ihrer Rechte beraubt und werden staatlich verfolgt wie wir es gerade in Hamburg erleben.
Was ist der Hintergrund der Gruppe "Lampedusa in Hamburg"? Sie hatten sich als zugewanderte Arbeiter in Libyen ihre Existenz neu aufgebaut. Als die NATO sich für die Intervention entschied, wurden sie zur Zielscheibe von allen Seiten. Die Europäischen Regierungen versprachen die Aufnahme von Flüchtlingen, die durch den NATO Einsatz und den Krieg in Libyen hervorgerufen wurden. Deshalb wurde das EU-Programm "emergency Africa North" eingesetzt. Deshalb erhielten die libyschen Kriegsflüchtlinge die Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus durch Italien. Heute, zweieinhalb Jahre später, will niemand mehr etwas davon wissen. Das Programm wurde einfach beendet und Italien sah sich alleine und schickte die Kriegsflüchtlinge weiter in die EU, wo sie seitdem recht- und mittellos auf der Straße leben.
Als die Gruppe "Lampedusa in Hamburg" vor sechs Monaten sich zusammenschloss und ihre Stimme in die Öffentlichkeit brachte, haben viele Menschen in der Stadt verstanden, dass es an der Zeit ist, etwas zu verändern -- konkret für die Situation der Gruppe und auch für die gesamte europäische Flüchtlingspolitik. Das Dublin 2 System ist längst gescheitert, und es erzeugt weiterhin tagtäglich menschliche Katastrophen. Es hat ein Aufwachen in der Stadt begonnen und immer mehr Menschen wollen praktische Schritte für eine Veränderung in der europäischen Politik. In Hamburg beginnt dies mit der gelebten Solidarität mit den Menschen der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" und der Forderung nach Anerkennung unter Anwendung des §23 als Gruppe mit gleichem Hintergrund.
Es wird oft von einem Krieg gegen Flüchtlinge gesprochen und dies belegt sich durch die militärische Aufrüstung und tödlichen Maßnahmen zur Abwehr von Menschen, die aus Verfolgung, Krieg und Elend fliehen. In Hamburg haben sich viele Menschen entschieden, an welcher Seite sie stehen und lassen sich nicht mehr zur schweigenden, akzeptierenden Masse, degradieren. Wir erkennen die Verantwortung unserer Regierungen für die Verursachung von Flucht, durch militärische, politische und ökonomische Dominanz auf den anderen Kontinenten, insbesondere auf dem afrikanischen. Wir erkennen den eklatanten Widerspruch zwischen dem Gerede von Menschenrechten und Demokratie und der Wirklichkeit.
Wir warten nicht mehr auf eine Veränderung, wir wollen die Veränderung durch unser eigenes Handeln hier in Hamburg erreichen. "Lampedusa in Hamburg" kann jetzt Geschichte machen. Von überall wird auf Hamburg geschaut. Wir tragen das Unrecht nicht mehr mit. Es ist an der Zeit für eine politische Lösung hier in der Stadt auch als ein Zeichen an ganz Europa. Genug ist genug. "Lampedusa in Hamburg - They are here to stay"
(Redebeitrag der KARAWANE-Hamburg gehalten am 02. November 2013)



Summary of a speech by the The CARAVAN-Hamburg held on 2nd of November 2013

We are angry about the negative attitude of the Senate, we are angry about the fact that half a year has passed and nothing about the life-threatening situation of the Libyan war refugees "Lampedusa in Hamburg" has changed. However, we are very happy about the broad solidarity among the population with the group of refugees in order to find a solution that is just. Today so many people have come from all parts of society, standing beside the group "Lampedusa in Hamburg" to send a strong signal towards the politicians, that we are no longer willing to accept the inhumanity. We have had enough of the hypocrisy. Now we want to see a change in Hamburg and the recognition of the group.
Every week we see the news of the death of many in the Mediterranean Sea, and we hear the talking about a necessary change in European refugee policy -- without any consequences following. But those affected continue to remain deprived of their rights and are being pursued by the government -- just as we experience it in Hamburg.

What is the background of the group "Lampedusa in Hamburg"? They had rebuilt their existence as migrant workers in Libya. When NATO decided in favor of the intervention, they were targeted by all sides. The European governments promised the reception of refugees that have been caused by the NATO intervention and the war in Libya. Therefore, the EU program "emergency North Africa" was installed. Therefore, the Libyan war refugees received the recognition of their refugee status by Italy. Today, two and a half years later, no one wants to know about it. The program was just ended and Italy found itself all alone and sent the war refugees towards the other EU states, where they have since lived on the streets destitute and without any rights.
As the group "Lampedusa in Hamburg" has merged six months ago and raised their voice in public, many people in the city have understood, that it is time to make a change -- specifically to the situation of the group and also for the entire European refugee policy. The Dublin 2 system failed long ago, and it continues to generate human disasters every day. A wake up process in the city has started and more and more people want practical steps for change in European politics. In Hamburg, this begins with the lived solidarity with the people of the group "Lampedusa in Hamburg" and the demand for their recognition under application of § 23 as a group with the same background.

There often is the talk of a war against refugees and this is due to the military buildup and deadly measures to prevent people from fleeing persecution, war and misery. In Hamburg, many people have decided on which side they stand and can no longer be silent and let themselves be downgraded a the mass accepting this. We recognize the responsibility of our governments causing the flight of refugees, through our military, political and economic dominance in the other continents, especially in Africa. We recognize the glaring contradiction between the talking of human rights and democracy on one side and reality on the other.
We will no longer wait for a change, we want to achieve the change through our own actions here in Hamburg. "Lampedusa in Hamburg" can now make history. From everywhere people are looking at Hamburg. We will no longer accept this injustice. It is time for a political solution here in the city as a sign to all of Europe. Enough is enough. "Lampedusa in Hamburg - They are here to stay"

Summary of a speech by the The CARAVAN-Hamburg held on 2nd of November 2013

 



Fotos: heba
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