30
Jahre Häuserkampf und Bewegung
Vom 9.-18. September
2011 fand in Berlin eine Veranstaltungswoche zur Geschichte der Hausbesetzungen
und Mietkämpfe in Berlin statt. In dieser "Woche der Widerspenstigen"
schlugen Ex-BesetzerInnen aus den 80ern und jetzige AktivistInnen eine
Brücke zwischen damals und heute. Vieles von dem, was die Bewegung
in den 80er Jahren angetrieben hat, gewinnt zunehmend wieder an Bedeutung:
sei es der Kampf um Freiräume oder der gegen Verdrängung und
Spekulation.
Aufgenommen! lautet daher auch der Titel einer Fotoausstellung
mit 85 Impressionen der Hausbesetzerbewegung 1980 - 1984 in Berlin. Während
der Veranstaltungswoche wurde sie im Garten der ehemals besetzten Häuser
am Fraenkelufer/Kohlfurter Straße gezeigt. Hier die Bilder als Fotogalerie
und als Musik-Videoclip.
Die Fotoausstellung wurde zusammengestellt von der AG für Bildquellenforschung
und Zeitgeschichte und vom Umbruch Bildarchiv. Ein tragischer Vorfall
begleitete die Entstehung der Ausstellung: Diethart Kerbs, der sich besonders
engagiert hatte, erlitt einen Schlaganfall. Bis heute hat er sich davon
nicht wesentlich erholt. Wir wünschen ihm viel Kraft und hoffen,
das er wieder gesund wird.
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"Aufgenommen!"
Häuserkampf in Berlin (80er)
Musikvideoclip
Fotos: Michael
Kipp, Manfred Kraft, Wolfgang Sünderhauf, Barbara Klemm, Ann-Christine
Jansson, Peter Homann, J.P. Böning, Wolfgang Krolow, Ulrich Sauerwein
u.a.
Musik: Fehlfarben
Video: Umbruch
Bildarchiv 2011
Flash-Video
ansehen (4'46 Min.) |
Bei
Aussetzern im Video hier die ruckelfreie mp4-Version (20 MB)
Spielt das Video nach dem Download ab: Video
ansehen |
Am 12.12.1980 räumte
die Polizei in Kreuzberg eine Neubesetzung am Fränkelufer und ging
massiv mit Tränengas und Knüppeln gegen Unterstützer_innen
vor. In dieser Nacht entwickelten sich Krawalle, wie sie Kreuzberg schon
lange nicht mehr erlebt hatte. Der 12.12. 1980 war der Startschuss einer
neuen Ära der Hausbesetzer_innenbewegung. Innerhalb weniger Monate
wurden berlinweit rund 160 Häuser besetzt. Das Heer von Spekulanten,
das mit einer Unzahl von leerstehenden Altbauten einen Reibach machen
wollte, wurde kollektiv zurückgeschlagen. Tausende Besetzer_innen,
Mieter-Initiativen, Nachbarn, Projekte, Kollektive, zahlreiche Paten der
Häuserbewegung mehr oder weniger prominent trugen dazu
bei.
Tragischer Höhepunkt der Entwicklung war der 22. September 1981.
Bei der Räumung acht besetzter Häuser trieb die Polizei Demonstranten
in den fließenden Verkehr. Hierbei wurde Klaus-Jürgen Rattay
auf der Potsdamer Straße von einem BVG-Bus totgefahren.
Es läuft eine lange Linie von den ersten Hausbesetzungen der siebziger
Jahre über die Häuserkämpfe Anfang der 80er in West-Berlin
und 1990/91 in Ost-Berlin (Mainzer Straße) bis in unsere Tage (Liebigstraße
14). In allen Ländern Europas gab und gibt es einen immer wieder
aufflammenden Widerstand gegen Teuerung und Mietervertreibung, Stadtumwandlung
und Gentrifizierung. Städte wie Amsterdam und London haben eine reichhaltige
Geschichte der Hausbesetzungen. Waren es in Hamburg die Hafenstraße
und das Gängeviertel, so haben in Berlin die Instandbesetzer eine
vielseitige Kultur entfaltet mit Wandgemälden, Konzertveranstaltungen,
Plakaten, Flugblättern und eigenen Zeitungen. Die Ausstellung in
Berlin dient der Erinnerung an die historischen Ereignisse, ihre Fotograf_innen,
aber auch der Auseinandersetzung mit der ungebrochenen Aktualität
der dahinter stehenden Probleme der Stadtentwicklung.
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Fotos: Michael Kipp, Manfred Kraft, Wolfgang Sünderhauf, Barbara
Klemm,
Ann-Christine Jansson, Peter Homann, J.P. Böning, Wolfgang
Krolow,
Ulrich Sauerwein, Thomas Leuner u.a.
Vielen Dank an alle Fotografinnen und Fotografen!
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72 Fotos : Fotogalerie
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