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THEMA: Protest gegen Hartz IV
ORT: Berlin
ZEIT: 11. Oktober 2004
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv/ 361 \
 

AWO-Zentrale von "Überflüssigen" besetzt!

Rund 80 AktivistInnen statteten am Mo, den 11. Oktober der Zentrale der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Halleschen Ufer einen Besuch ab und verlangten, dass die AWO auf die Vergabe von Ein-Euro-Jobs verzichtet. Die BesetzerInnen trugen rote Pullis und weiße Masken und werden "die Überflüssigen" genannt. (vgl. Selbstverständnis der Überflüssigen). Der Vorsitzende der AWO zeigte sich wenig gesprächsbereit, stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruch und ließ "die Überflüssigen" räumen. Von zwei der Besetzer erhielten wir untenstehenden Bericht. Vielen Dank dafür.



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Fotos: Umbruch-Bildarchiv
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"Warum die AWO?

Die Führungsspitzen verschiedener Wohlfahrtsverbände haben die Einführung von 1 Euro-Jobs der Bundesregierung durch die Hartz IV-Gesetze begrüßt. So auch die AWO-Bundesebene (Vorsitzender Ragati). Gegen die Jubeläußerungen ihrer Vorgesetzten haben sich bereits viele MitarbeiterInnen und auch ganze Landesverbände ausgesprochen. Die Arbeit wurde zurecht als "Zwangsarbeit" bezeichnet. Ergebnis der 1-Euro-Jobs im ohnehin ständig an wenig Mitteln leidenden Bereich sozialer und caritativer Arbeit wäre weiterer Druck auf bereits Beschäftigte (Lohndrückerei), zumeist unqualifizierte Ausbildungen etc.
Die Aktion sollte am Widerspruch zwischen Menschen, die tagtäglich im sozialen Bereich arbeiten und der bürokratischen Führungsebene ansetzen und Zwangsarbeit (1-Euro-Jobs) grundsätzlich thematisieren. (Siehe auch Flugblatt zur Rolle der Sozialverbände insbesondere der AWO im Zusammenhang mit Hartz IV bei Indymedia).

Die Besetzung des Gebäudes verlief weitesgehend problemlos. Wir konnten aus dem 3. Stockwerk mehrere Transparente herablassen. Im unteren Teil des Gebäudes begannen sofort die Gespräche mit den Angestellten und dem Landesvorsitzenden Nisblé, der nach einer halben Stunde eintraf. Ihm wurde ein vorbereitetes Schreiben unterbreitet, welches ihm die Möglichkeit bot, sich in aller Öffentlichkeit von den Plänen der 1-Euro-Jobs zu distanzieren und sich dagegen auszusprechen. Dies lehnte er u.a mit Bemerkungen ab, wie "die 1-Euro-Jobs wären doch ein ganz guter Zuverdienst für Langzeitarbeitslose".
Gleichzeitig wurde an verschiedene Wohlfahrtsverbände und die Presse eine Erklärung zum Thema und das Selbstverständnis "der Überflüssigen" vom AWO-hauseigenen Fax versendet.
Nisblés Dialogbereitschaft ging nur bis zum nächsten Polizeiknüppel und er machte damit deutlich, was er unter Einsatz für sozial Schwache versteht. Er lies räumen. Die AWO Berlin macht also mit bei der Entrechtung, Entmündigung und Enteignung durch Hartz IV. Auch die AWO Berlin wird unwürdige 1-Euro-Jobs einrichten.
Da die Überflüssigen im Grunde nicht viel anderes erwartet hatten, ließen sie ihre Köpfe nicht hängen - immerhin sind sie zum erstenmal aus ihrer Unsichtbarkeit ausgebrochen und hatten sich ansonsten den Nachmittag über gut amüsiert, sorgten doch einige von Ihnen von einem extra zu diesem Zweck ausgestatteten Kleintransporter für Musik, moderierten und kommentierten phantasievoll inszenierte 1-Euro-Jobs- Wettbewerbe. Für die Überflüssigen ist das heute erst der Anfang. Die Überflüssigen hören auf bescheiden zu sein. Solange wir in einem System leben, das Menschen überflüssig macht, werden sie nicht aufhören gegen Ausbeutung und Ausgrenzung anzurennen und ihren Widerstand sichtbar zu machen. Kapitalismus ist überflüssig!"
- Max/Navid -


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