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THEMA: Pogrome in Rostock
ORT: Rostock-Lichtenhagen
ZEIT: August 1992
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 4142 \
 

Vor zehn Jahren: Pogrome in Rostock-Lichtenhagen

Und nach wie vor kein friedliches Miteinander!

Es war ein "Volksfest" der ganz besonderen Art: Eine Woche lang, vom 22. bis zum 26. August 1992, griffen mehrere hundert junge Rechtsradikale die Flüchtlingsunterkunft und ein von vietnamesischen VertragsarbeiterInnen bewohntes Haus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. Unterstützt wurde der Mob von über tausend ganz normalen Deutschen, die Polizei griff kaum ein.
Am Wochenende darauf gab es eine bundesweite antifaschistische Demonstration in Rostock gegen dieses Pogrom.

Die Verschleppung der Prozesse gegen einzelne der Rechtsradikalen hat dazu geführt, daß erst im Sommer 2002 geringfügige Urteile ergangen sind. Die gesellschaftliche Bilanz seitdem fällt düster aus: Mehr als 100 von Rechten und Neonazis zu verantwortende Todesopfer seit 1990 eröffnen eine Bilanz, in der auch Opfer des staatlichen Rassismus mit Abschiebungen und Sondergesetzen für Flüchtlinge genannt werden müssen. Rostock-Lichtenhagen steht nicht nur für Pogromstimmung gegen MigrantInnen, sondern war auch Vorwand für die faktische Abschaffung des Asylrechts (GG Art 16) im Jahre 1993.
Die staatliche Flüchtlingspolitik hält Flüchtlinge und MigrantInnen seitdem in einer Situation ständiger Ungewissheit und Angst vor Abschiebung. Bürokratische Sondergesetze für Flüchtlinge sind umfassend und wirken diskriminierend. Die zwangsweise Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften, oftmals mitten im Wald gelegen, und die Residenzpflicht, d.h. die Pflicht, den zugewiesenen Landkreis nicht zu verlassen, schränken die Freiheit zusätzlich ein.

"Es ist noch nicht vorbei - Kein Vergeben - Kein Vergessen Lichtenhagen 1992-2002". Antirassistische/Antifaschistische Demo am Sa, den 24. August in Rostock

Trotz möglicher Behinderungen von Seiten des offiziellen Bündnisses "Bunt statt Braun", die vorsorglich alle möglichen Demo-Routen durch Rostock für sich belegt, wollen unabhängige AntifaschistInnen, Flüchtlinge und MigrantInnen auf jeden Fall am 24. August in Rostock demonstrieren, um nicht scheinheiligen Toleranz-Beteuerungen der Polit-Prominenz an die versammelte Medienlandschaft das Feld zu überlassen. In ihrem Aufruf stellen sie klar: "Nazistische, rassistische, antisemitische, sexistische und sozialdarwinistische Tendenzen müssen unnachgiebig bekämpft und der gesellschaftliche Boden, auf dem diese gedeihen, kräftig umgepflügt werden. Es reicht längst nicht, "gegen Gewalt" Flagge zu zeigen und auf einzelnen Veranstaltungen friedliches Miteinander zu demonstrieren, wenn kurz vor der Haustür Menschen diskriminiert, verfolgt, angegriffen und gar getötet werden - stillschweigend geduldet von einem Großteil der Bevölkerung.
Wir treten ein für eine Gleichberechtigung aller Menschen, für ein Ende der diskriminierenden Gesetzgebung gegen Flüchtlinge. Wir stellen uns gegen eine fremdenfeindliche Grundhaltung in großen Teilen der Bevölkerung, die den Nazis den Nährboden bereitet." (Quelle: Infopartisan, "links-lang", indymedia)

 
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