Roma demonstrieren für ein
Bleiberecht in Deutschland
Rund 500 Roma aus Ex-Jugoslawien fahren seit Ende April durch Deutschland,
um gegen ihre drohende Abschiebung in den Kosovo, nach Serbien und Montenegro
zu protestieren. Letzten Donnerstag kamen sie nach Berlin.
Auf einem Demonstrationszug am 10. Juni vom Schlossplatz zum Brandenburger
Tor forderten die Roma, die vor mehr als 10 Jahren als Bürgerkriegsflüchtlinge
nach Deutschland kamen, ein dauerhaftes Bleiberecht.
Seit der vergangenen Woche hat sich die Lage für Roma aus dem ehemaligen
Jugoslawien verschärft. Die Innenminister-Konferenz in Bremerhaven beschloss,
dass es für ethnische Minderheiten aus Ex-Jugoslawien kein dauerhaftes
Aufenthaltsrecht geben werde und "die Voraussetzungen für eine zwangsweise
Rückführung noch in diesem Jahr gegeben sein werden".
Mit der Demonstration wollten die Roma Gespräche mit Bundespolitikern
erreichen. Voraussichtlich am Dienstag abend fahren sie weiter um ihren
Protest in Hannover, Münster, Bielefeld, Paderborn, im Ruhrgebiet und
im Rheinland, in Frankfurt, in Süddeutschland und schließlich in Straßburg
an die Öffentlichkeit zu tragen.
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Foto:fadl/ Umbruch-Bildarchiv
(weitere: halte Maus auf Dias)
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Zum Hintergrund:
"Am 5. und 6. Juni fand in Bremerhafen die Innenministerkonferenz von
Bund und Länder statt. Hier wurde über die Zukunft der Roma aus Ex-Jugoslawien
entschieden, von denen viele seit nun mehr als dreizehn Jahren in Deutschland
leben. Seit dem 27. April 2002 haben ca. 500 Romafamilien in Essen in
der Portendieckstraße im Stadtteil Schonnebeck ihre Zelte aufgeschlagen,
um gegen ihre Abschiebung nach Ex-Jugoslawien zu protestieren. Die Demonstration
wurde in Bremerhafen fortgesetzt. Da jedoch die Rückführung der Roma in
der IMK beschlossen wurde, werden sie nun in nächster Instanz weiter kämpfen.
Nach einer anstrengenden Woche in Bremerhafen, werden sie nun in Berlin
demonstrieren, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Rückkehr
nach Ex-Jugoslawien wird für die Roma katastrophale Folgen haben. Bis
jetzt wurde kein Rückkehrprogramm entwickelt, das heißt, dass die Roma
in ein Land zurückkehren müssen, in dem sie laut UNHCR, Schweizerische
Flüchtlingshilfe, Diakonische Werk, GfbV und anderer Flüchtlings- und
Hilfsorganisationen mit menschenunwürdigen Zuständen und Gefahren zu rechnen
haben. Die Situation der in Serbien und Montenegro und im Kosovo lebenden
Roma ist unerträglich. Sie sind nicht nur polizeilichen Schikanierungen
und Misshandlungen, sondern auch Übergriffen auf Leib und Leben von Seiten
der Bevölkerung ausgesetzt. Die Roma, die Deutschland aufgenommen hat,
haben sich in der langen Zeit ihrer Anwesenheit an die Lebensgewohnheiten
angepasst. In dieser Zeit wurden Familien gegründet, Kinder haben sich
integriert und Deutsch als Muttersprache angenommen. Und jetzt werden
sie ohne Vorwarnung in der Morgenstunde von der Polizei abgeholt, haben
fünfzehn Minuten Zeit, um ihr Gepäck zu packen und werden dann in ein
für ihre Kinder fremdes Land deportiert. Für viele alte Roma kommen so
böse Erinnerungen an nicht lang vergangene NS - Zeiten hoch."
(Aus: OFFENER
BRIEF AN DIE BÜRGERINNEN UND BÜRGER DER STADT BERLIN
C.I.A.E.Roma-Union e.V. Essen /NRW/ Centre of Integration, Affirmation
and Emanzipation of the Roma in Germany)
Die Forderungen
der Roma sind:
1. Sofortiger Abschiebestopp!
2. Alle Roma, die fünf Jahre in Deutschland sind, sollten ein dauerhaftes
Bleiberecht erhalten. Die anderen eine dreijährige Chance, um sich produktiv
für die deutsche Gesellschaft einzusetzen.
3. Die Roma sollen an allen Entscheidungen, die in ihr Leben eingreifen,
beteiligt werden.
4. Die Rechte der Roma sollen auch dahingehend gelten, dass ihre Kinder
eine Schulausbildung erhalten können.
5. Hilfe beim Aufbau von Einrichtungen im Bereich der Kultur, der Sprache,
Folklore sowie Sitten und Bräuchen der Roma.
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