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THEMA: Reclaim Tempelhof
ORT: Berlin
ZEIT: 20. Mai 2012
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 65 \

Lärmdemo: Tempelhofer Feld für alle!

Unter dem Motto „Tempelhof für alle, statt Luxusbebauung, steigende Mieten und Bezahlpark!“ haben am 20. Mai 2012 rund 500 Menschen in Neukölln mit einer Lärmdemo gegen die Senatspläne für das Tempelhofer Feld demonstriert. Mit viel Krach zog die Demo durch die anliegenden Kieze und anschließend auf das Feld, wo an der großen Grillwiese an der Oderstraße eine kleine Abschlusskundgebung gehalten wurde. Die Demonstration ist Ausdruck eines wachsenden Unmuts gegenüber dem, was dem städtischen Raum des Feldes und Umgebung droht, sollten sich die aktuellen Pläne durchsetzen: Privatisierung, Kommerzialisierung, Aufwertung, Ausgrenzung und Verdrängung. An der Organisation der Demonstration beteiligten sich die Stadtteilinitiative Schillerkiez, antigen Neukölln, der Stadtteilgarten Schillerkiez, die Bürger_inneninitiative „100% Tempelhof“ und Anwohner_innen.

Das ehemalige Flughafenareal erfreut sich trotz Einzäunung, nächtlicher Abschließung und Sicherheitsdienst seit seiner Öffnung einer hohen Beliebtheit unter den Anwohner_innen der angrenzenden Kieze. An schönen Tagen nutzen 3000 bis 4000 Menschen allein die Wiesen an der Neuköllner Seite. Doch geht es nach dem Berliner Senat, stadtplanerischen Vorstellungen und privatwirtschaftlichen Interessen, dann ist die Nutzung des Feldes durch die Anwohner_innen nur von kurzer Dauer.
Bis 2017 soll ein großer Teil der Parklandschaft umgestaltet und für die Internationale Gartenausstellung (IGA) präsentiert werden. Das bedeutet lange Absperrungen während des Baus, ein hoher Eintritt während der Austellung und ein vermutlich dauerhafter kleiner Eintritt sowie eine strenge Parkordnung für die Folgezeit. Die IGA 2017 öffnet dann gewissermaßen durch die Blume die Tür für eine umfassende Bebauung der Ränder des Feldes bis zur Internationalen Bauaustellung 2020 (IBA).

 

 



Fotos: Andreas Schmitz/Umbruch Bildarchiv
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Auf der Neuköllner Seite entlang der Oderstr., auf der Kreuzberger Seite am Columbiadamm, auf der Tempelhofer Seite entlang des Tempelhofer Damms bzw. der gesamten S-Bahn-Strecke im Süden sollen komplett neue Wohnquartiere entstehen, die sich beispielsweise am „innovativen Wohnen am Park“ orientieren werden. Dass diese Wohnungen selbst für Normalverdiener_innen nicht bezahlbar sein werden, versteht sich von selbst. Derzeit gehen Expert_innen von einem Einstiegsmietpreis von 14 Euro/Quadratmeter aus. Wenn diese Bebauung umgesetzt wird, wirkt sich das aber auch auf die Nutzung der restlichen Freiflächen aus. Denn wer will sich schon für teures Geld ein Loft mit Blick aufs Feld anmieten oder gleich kaufen, um dann eine Grillwiese direkt vor der schicken Terrasse zu haben?

Insgesamt verdeutlichen die Pläne rund um das Tempelhofer Feld den grundsätzlichen Konflikt um Gebrauch und Inwertsetzung des städtischen Raums. Auf der einen Seite stehen die Anwohner_innen, für die das Feld ein Ort der Erholung und des Zusammenkommens bedeutet, für den mal kein Eintritt gezahlt werden muss. Auf der anderen Seite sehen Politik, Architektur- und Stadtplanungsbüros sowie private Investor_innen das frühere Flugfeld momentan als wertlose Brache, die es zu „entwickeln“ und profitabel zu gestalten gilt. Auch auf die offensichtliche Ausgrenzungsdimension des Konflikts muss in diesem Zusammenhang hingewiesen werden. Gerade migrantische Familien haben das Feld als ihren Ort entdeckt, auf dem ganze Wochenenden verbracht werden. Ein neues luxuriöses Wohnquartier wird genau diesen Ort wieder verschwinden lassen.Darüber hinaus werden sich vor allem die Bebauungspläne auf die ohnehin schon angespannte Mietpreisentwicklung in den umliegenden Kiezen auswirken. Der direkt angrenzende Schillerkiez etwa belegt bei der Steigerung der Preise bei Neuvermietung jetzt schon den neunten Platz unter allen 189 Postleitzahlgebieten in der Stadt, während die durschnittliche Kaufkraft der Anwohner_innen auf Rang 173 zu finden ist. Entsteht in unmittelbarer Nähe ein schickes Wohnquartier, so ist eine weitere Zuspitzung von Aufwertung und Verdrängung absehbar.

Von Seiten der Politik werden die Pläne mittels der üblichen Mischung aus vorgetäuschten Beteiligungsverfahren, geschönten Informationen und Verschwiegenheit vorbereitet und durchgesetzt. In den letzten Wochen wurden Informationsbroschüren an Anwohner_innen verschickt, auf denen lediglich Park und IGA 2017 illustriert werden, die Bebauungsgebiete der IBA allerdings als frei bleibend erscheinen. Die Verwaltung und Projektentwicklung wurde an mehrere landeseigene GmbHs übertragen, die jeweils nur einen Teilbereich der Gesamtpläne koordinieren. Eine öffentliche Diskussion über die Gesamtnutzung des Feldes hat bis heute nicht stattgefunden, erst recht nicht unter denjenigen, gegen die sich die Pläne richten.

Unter Anwohner_innen und Initiativen regt sich aufgrund der immer weiter absehbaren Folgen der Senatspläne Widerstand. Vor allem während des Verteilens von Flyern und in den Gesprächen mit Nachbar_innen und Kleinstgewerbetreibenden wurde im Vorfeld der Demonstration sehr deutlich, dass die Menschen im Kiez ihre Wiese, ihre Wohnungen und ihre Läden behalten wollen. Auch wenn viele der Anwohner_innen auf der Demo noch nicht vertreten waren, gab es dennoch sehr viel Zuspruch und Unterstützung. Ein großer Teil der Menschen ist außerdem bislang noch wenig bis gar nicht informiert. Angesprochen auf die geplante Bebauung reagierten viele fast ungläubig – und anschließend aufgebracht. Der Kampf für ein Tempelhofer Feld für alle statt Luxusbebauung, steigende Mieten und Bezahlpark hat gerade erst begonnen. - Klaus Möter (Bericht auf Indymedia) -



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