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THEMA: Umstrukturierung, Gentrifizierung
ORT: Berlin
ZEIT: 03. März 2011
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv/ 65 \

Räumung in der Scharni 29

Nur 300 Einsatzkräfte benötigte die Berliner Polizei heute für die Beschlagnahmung zweier Räume in der Scharni 29 als Amtshilfe für einen Gerichtsvollzieher. Angesichts hunderter Luftballons, durch die sich die Beamten mühsam ihren Weg bahnen mußten, ein gewagtes Einsatzkonzept. Hier erste Bilder des entschlossenen Einsatzes gegen Menschenblockaden und hinterhältige Ballonattacken.

Presseerklärung der Scharni29 zur Räumung
Mehr als 200 Personen solidarisierten sich, indem sie an einer angemeldeten Kundgebung in Sichtweite des Projektes teilnahmen und die sich an die Kundgebung anschließende Räumung durch Sprechchöre begleiteten. Die TeilnehmerInnen der Kundgebung wurden jedoch von der Polizei daran gehindert, sich dem Haus auch nur zu nähern. Die Personen, die nicht an der Kundgebung teilgenommen hatten und sich stattdessen vor dem Haus befunden hatten, haben spontan die Tür mit einer friedlichen Sitzblockade versperrt. Die Polizei hingegen reagierte mit Platzverweisen, Personalienfeststellungen und sogar Festnahmen.
Die Personen, die sich zum Zeitpunkt des Eintreffens des Gerichtsvollziehers, in den Räumen aufgehalten hatten, verließen freiwillig das Gebäude. „Unsere eigentliche Stärke sind unsere kreativen Ideen und der gute Zusammenhalt“ sagt ein Aktivist und deutet auf die Verbindung durch eine massive Pyramide, an die sich er und eine weitere Aktivistin gekettet haben. „Das ist ein Gruß aus dem Wendland“ erwidert sie.
Während die Polizei sich durch Barrikaden von insgesamt mehr als 10.000 Luftballons kämpfen musste, um die Räumlichkeiten zu betreten, ließen die BewohnerInnen des Hauses heliumgefüllte Luftballons aus den einzelnen Stockwerken steigen. Die Ballons trugen einen Aufruf zum Zusammenschluß der Mieter von Immobilien des Groß-Eigentümers Padovicz mit sich. Um sich künftig besser gegen ungerechtfertigte Nebenkostenabrechnungen, Abmahnungen und Kündigungen wehren zu können, suchen die BewohnerInnen der Scharnweberstraße den Erfahrungsaustausch mit anderen Padovicz-MieterInnen.
Wie bei der Liebigstraße 14 handelt es sich bei der Scharnweberstr. 29 um ein ehemals besetztes Haus, für das die BewohnerInnen bereits kurz nach der Besetzung Wohnungsmietverträge erhielten. Obwohl die BewohnerInnen Kaufinteresse angemeldet hatten, wurde das Haus seitens der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WBF an einen Privatinvestor verkauft. 2006/2007 wurde das Haus saniert. Nach der Sanierung des Hauses wurde das Erdgeschoss an einen von den HausbewohnerInnen gegründeten Verein vermietet.
Neben dem verlängerten Wohnzimmer der Hausgemeinschaft, in dem die BewohnerInnen neben Parties zu Filmvorführungen und politischen Erörterungen einluden, beherbergte das Erdgeschoss den ehrenamtlich organisierten Schenkladen. Hier konnten Menschen Dinge, die ihnen zu schade zum wegwerfen waren abgeben, die dann von anderen unendgeltlich mitgenommen werden konnten. Um das Projekt am Leben zu erhalten, war der Schenkladen am vergangenen Samstag von einem Demonstrationszug begleitet, in ein benachbartes Projekt umgezogen, in dem er kurzfristig Asyl erhielt und im April neu eröffnen wird.
Der Eigentümer hatte die Räume in der Scharnweberstr. gekündigt und den MieterInnen eine kommerzielle Nutzung vorgeworfen. Obwohl die Berufung vor dem Landgericht noch nicht verhandelt wurde, bestand der Eigentümer auf die Durchsetzung der sofortigen Räumung. Der Bezirksbürgermeister setzte sich für ein Gespräch zwischen Eigentümer und MieterInnen ein. Der Eigentümer hatte jedoch erklärt, sich erst nach der Räumung zu einem Gespräch in der Lage zu sehen.

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Fotos: heba/Umbruch Bildarchiv
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Weitere Informationen:

  • scharni29.blogsport.de
  • Schenkladen Systemfehler
  • Bilder von der Umzugs-Demo des Schenkladens am 26.2.11

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