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THEMA: Freiräume
ORT: Berlin
ZEIT: 2. Februar 2011
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 653 \

Hausprojekt Liebigstraße 14 geräumt

Ein Großaufgebot der Polizei hat am Mittwoch, den 2. Februar 2011 gewaltsam das linksalternative Wohnprojekt in der Liebigstraße 14 in Berlin-Friedrichshain geräumt. Rund 1500 Unterstützer_innen der Bewohner_innen protestierten in den umliegenden Straßen. Aus Solidarität fanden im gesamten Stadtgebiet vielfältige Aktionen statt. Es wurden Kreuzungen blockiert, Barrikaden errichtet, Häuser besetzt, mehrere Spontandemonstrationen und dutzende militante Angriffe auf verschiedene Geschäfte und Gleisanlagen der Deutschen Bahn durchgeführt.

Räumung der Liebigstraße 14 (2.2.2011)
Video: Susanne/Rene/Umbruch Bildarchiv
Video ansehen (3'47 Min.)

Liebigstraße14 bleibt nicht
Ein Kommentar von Yok Quetschenpaua

War ya auch nicht zu erwarten. Als ich am sehr frühen Vormittag mit dem Rad an dem Saxophonspieler kurz hinter der Warschauer Brücke vorbeifahre, hat die Polizei mit ihren schweren Ausschreitungen bereits begonnen, die Gegend weiträumig abgesperrt, umliegende Strassen und Dächer besetzt, ihr schweres Gerät und ihre vermummten Sondereinheiten bereitgestellt. In den letzten Tagen war in der Presse und in den Medien immer die Rede davon, daß doch hoffentlich alles "friedlich" bleibt. Spätestens seit heute früh um 8 Uhr findet diese Hoffnung ein abruptes Ende, denn gewaltätiger, als das, was hier 1000 - 2500 Bullen an Struktur und Handeln liefern, geht es ya kaum. Nur zur Erinnerung: In dem Haus halten sich lediglich Menschen auf, die dort wohnen und weiterhin wohnen möchten,... keine Geiselnehmer, Amokläufer, Aliens oder ähnliches, was so einen Einsatz unter Umständen rechtfertigen könnte...nein, einfach nur Menschen, die ihre Miete gezahlt haben und sich dort eingerichtet hatten. Die Bäckersfrau in der Abendschau, der auch mal fix ein Mikro unter die Nase gehalten wurde, sagte sinngemäß, daß sie wirklich gar nix befürchtet, auch wenn geräumt wird..."...die tun mir doch nix..." Ich finde es eh immer 'ne Frechheit, wenn so getan wird, als würden Leute, die in solchen linken Hausproyekten wohnen, eine Gefahr für Leib und Leben der sonstigen Kiezbewohner_innen darstellen...als sei das yemals der Plan gewesen... Viele Leute sind yedenfalls heute früh aufgestanden...ein paar 100 besetzen hier und da mal die Straße oder Kreuzung, wütend und müde...genau wie ich...wütend und müde. Aber so läuft es seit Yahrzehnten in dieser Stadt und natürlich nicht nur in dieser Stadt. Ganz simple Formel: Wer das Geld hat, hat die Macht, wer die Macht hat, hat das Recht. Kenn' wir,...hilft uns nicht...Wir können das nicht verhindern. Noch nicht. Manchmal stelle ich mir vor, dieses System hier bricht ähnlich zusammen wie die DDR und dann müssen sich die yetzigen Verantwortlichen später fragen lassen, was sie sich dabei gedacht haben, vorsätzlich und ohne Rücksicht auf Verluste Menschen aus ihren Wohnungen und Häusern zu werfen, mit hunderten von gewaltbereiten Beamten. Alle werden sich in ferner Zukunft hoffentlich mal fragen, wie es möglich sein konnte, daß nur aufgrund von Profitgier diese ganzen Entwicklungen von Vertreibung und Spekulationswahn sich den Weg bahnen konnten, und wie skrupellos die regierende Politik und ihre Helfeshelfer dabei mitgemacht haben...Als ich dann später zurückfahre Richtung Kreuzberg, spielt der Saxophonspieler immer noch und ich bin froh darüber, denn auch er tut etwas, was vermutlich verboten ist und wofür er eigentlich eine Genehmigung bräuchte. KEINEN FRIEDEN MIT DIESEN ZUSTÄNDEN! Kopf hoch! LEGAL ILLEGAL SCHEISSEGAL!

 



Fotos: Andreas/Arantxa/heba/ks/Mike/Umbruch Bildarchiv
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