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THEMA: Massaker in Kairo
ORT: Berlin
ZEIT: 2. Februar 2006
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv/ 3423 \
 

Kundgebung gegen das Massaker an sudanesischen Flüchtlingen in Kairo

Mit einer Kundgebung vor der ägyptischen Botschaft in Berlin protestierten am 2. Februar '06 rund 50 Menschen gegen ein Massaker an sudanesischen Flüchtlingen am 30. Dezember 2005 in Kairo. An diesem Tag lagerte eine Gruppe von 3500 sudanesischen Flüchtlingen friedlich vor dem Büro des UNHCR in Kairo. Sie forderten die Behandlung von Flüchtlingen nach internationalen Konventionen, als die Demonstration brutal von 4000 Polizisten zerschlagen wurde. Eine ägyptische Spezialeinheit zur Aufstandsbekämpfung verletzte Hunderte von Menschen. Nach Angaben ägyptischer Behörden starben 27 Menschen, Augenzeugen berichten hingegen von mindestens 76 Toten.
Aufgerufen zu der Kundgebung hatte der Sudanclub e.V., der in der ägyptischen Botschaft, der Berliner Niederlassung der Vereinten Nationen und der sudanesischen Botschaft in Berlin jeweils eine Protestresolution übergab. In der Resolution forderte der Verein eine internationale Untersuchungskommission, um die Täter hinter diesem unmenschlichen Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen und Auslieferungen sudanesischer Flüchtlinge an die sudanesische Regierung zu beenden. (Text der Resolution siehe unten)


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Fotos: Fadl/Umbruch-Bildarchiv
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Protestmemorandum

Ihre Exzellenz, der Botschafter der Arabischen Republik Ägyptens in der Bundesrepublik Deutschland:

Wir, die sudanesische Gemeinschaft in Berlin und unsere Freunde überbringen Ihnen dieses Protestmemorandum gegen das Massaker in Kairo am 30. Dezember 2005, in welchem neben Hunderten von Verletzten 156 Sudanesen durch die exzessive und mutwillige Gewaltanwendung einer Sondereinheit der ägyptischen Polizei getötet wurden. Es wird erwartet, dass die Todesrate aufgrund von erlittenen Verwundungen und mangels angemessener ärztlicher Versorgung weiter ansteigen wird.

Wir verurteilen diesen inhumanen Akt der ägyptischen Polizei. Mag Ihre Regierung auch Entschuldigungen vorbringen, so kann es doch keine Rechtfertigung für dieses unmenschliche und mutwillige Massaker an Flüchtlingen geben, welche friedfertig vor den Kairoer Büros des Hohen Kommissars für Flüchtlingsfragen der Vereinten Nationen protestierten. Dies waren unbewaffnete sudanesische Zivilisten, unter ihnen Kinder, Frauen und ältere Personen. Wir verurteilen diesen barbarischen Akt aufs Schärfste, da er die Beziehungen zwischen den beiden Völkern verhöhnt und die Menschenrechte, welche in der Gesetzgebung zum Politischen Asyl festgelegt sind, mit Füßen tritt.

Wir sind überzeugt davon, dass die Wahl Ägyptens als Zielland der Flucht von den brüderlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern bestimmt war .Tausende flohen aus ihrem Land angesichts einer Vielzahl politischer Verfolgungen, Folter und der Verletzung von Menschenrechten unter dem Regime von Al Bashir und den weiter anhaltenden Kriegen im Süden, Westen und Osten des Landes. Der Vorfall in Kairo stellt einen ernsthaften Einschnitt in die Beziehungen zwischen den beiden Ländern dar. Wir verurteilen das Massaker von Kairo und die verachtenswerten Aktionen der ägyptischen Regierung aufs Schärfste und fordern:

1. die Bildung einer internationalen Untersuchungskommission zu dem Vorfall und Strafmaßnahmen gegen die Verantwortlichen;
2. die Überprüfung der offiziellen Zahlen der Toten und Verletzten;
3. die sofortige Entlassung der Verhafteten und den Schutz von Sudanesen in allen Teilen Ägyptens;
4. eine würdevolle Versorgung aller Verwundeten und Hinterbliebenen;
5. die Feststellung der Todesursachen und die Überstellung der Leichname an ihre Angehörigen in Anwesenheit von UNHCR Vertretern;
6. die Feststellung der Aufenthaltsorte der vermissten Personen, insbesondere der vermissten Kinder;
7. angemessene Entschädigung der Opfer und ihrer Familien;
8. die Garantie einer sicheren Situation für die restlichen Flüchtlinge, die sich in Kairo aufhalten (Sie warten auf die Bearbeitung ihrer Asylfälle, um in andere Länder, die Asyl gewähren, auswandern zu können).

Abschließend möchten wir den zivilgesellschaftlichen Organisationen in Ägypten ,den Menschenrechtsorganisationen und dem ägyptischen Volk für ihre Solidarität, ihre einstimmige Verurteilung und den Protest gegen dieses blutige Massaker in ihrem Land, begangen durch die Autoritäten, danken. Wir möchten sie dazu aufrufen, diese Entwicklung wachsam zu verfolgen, die Flüchtlinge zu unterstützen und ihnen beizustehen, bis ihre Situation aufgeklärt ist.

Hochachtungsvoll
Sudanclub


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